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Digitale Sozialisationsräume – reale Herausforderungen

Plattformen wie TikTok sind längst nicht mehr nur digitale Spielwiesen, sondern prägende Instanzen für Identitätsentwicklung, Meinungsbildung und gesellschaftliches Verhalten junger Menschen. Die Inhalte, die ihnen dort begegnen, sind oft emotional aufgeladen, stark polarisiert und nicht selten demokratiefeindlich. Die Plattform wirkt dabei nicht nur als Spiegel gesellschaftlicher Stimmungen, sondern zunehmend auch als Verstärker extrem rechter Narrative – mit teils anonymen, schwer zu kontrollierenden Absendern.

Besonders in der aufsuchenden Jugend(sozial)arbeit – ob in sozialpädagogischen Fanprojekten, mobiler Jugendarbeit oder Streetwork – erleben Fachkräfte täglich die Folgen algorithmischer Einflussnahme, politischer Radikalisierung und digital erzeugter Realitätsverzerrung. Zugleich bleibt Beziehungsarbeit das zentrale Werkzeug, umJ ugendlichen auf Augenhöhe zu begegnen, Vertrauen aufzubauen und Radikalisierung präventiv entgegenzuwirken – in der Kurve, auf dem Bolzplatz, an Treffpunkten im öffentlichen Raum oder in virtuellen Communities.

Anmeldung: https://gstoo.de/Fachtag_Digitaler_Angriff_von_rechts

Was erwartet Sie?

Ein interdisziplinärer Fachtag, der Herausforderungen sichtbar macht, aber auch Perspektiven aufzeigt:

  • Fachimpulse zu digitalen Radikalisierungsprozessen und extremistischen Kommunikationsstrategien
  • Praxisberichte aus Fanarbeit, Streetwork und mobiler Jugendarbeit
  • Diskussion zu pädagogischen und politischen Handlungsoptionen
  • Austausch und Vernetzung mit Kolleg*innen und Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis

Zielgruppe:

Fachkräfte aus sozialpädagogischen Fanprojekten, mobiler Jugendarbeit, Streetwork, Forschung & Wissenschaft sowie jugendpolitische Sprecher*innen sowie deren Mitarbeitende derFraktionen im Landtag NRW.

Problembeschreibung:

Die Landesarbeitsgemeinschaft Fanprojekte NRW verfügt nicht zuletzt durch die 16 auf NRW- Landesebene angeschlossenen Standorte über langjährige Erfahrung in der aufsuchenden Jugendsozialarbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Fußballkontext. Ihre Arbeit umfasst neben der Gewalt- & Extremismusprävention auch die Förderung demokratischer Werte und das Empowerment junger, sich in der Entwicklung befindlicher Menschen.


Laut dem Statistischen Landesamt leben knapp 3.000.000 Kinder und Jugendliche in NRW, (vgl. https://webshop.it.nrw.de/gratis/Z249%20201955.pdf), viele davon nutzen die sozialen Medien und identifizieren sich darüber hinaus mit einem Fußballverein. Das Chinesische Videoportal TikTok hat in Deutschland über 20.000.000 Nutzer*innen, 40% dieser User*innen sind zwischen 16 und 24 Jahre alt (vgl. https://www.zweidigital.de/aktuelle-social-media-nutzerzahlen/).


General Agreement – die Digitalisierung schreitet voran. Aufsuchende Jugendsozialarbeit steht vor wachsenden Herausforderungen in einer digitalisierten Welt, in der Plattformen wie TikTok nicht nur zur Unterhaltung dienen, sondern zunehmend zur prägenden Sozialisationsinstanz werden. TikTok ist für viele Jugendliche vor allem in sozial schwachen Milieus die Hauptquelle für Information, Identitätsbildung und politische Meinungsbildung. Die Mechanismen dieser Plattform sind jedoch darauf ausgerichtet, Aufmerksamkeit durch algorithmisch verstärkte, emotional aufgeladene und oft polarisierende Inhalte zu binden. Dies führt nicht nur zu einer verstärkten Konfrontation mit extremistischen und demokratiefeindlichen Narrativen, sondern hat auch tiefgreifende psychosoziale Folgen: sinkende Aufmerksamkeitsspannen, gestörte Realitätswahrnehmung und eine zunehmende soziale Isolation. Das führt wiederum dazu, dass demokratie- und fremdenfeindliche Positionierungen, die von zum Teil nicht eindeutig identifizierbaren Absender*innen intendiert produziert werden, ungefragt reproduziert werden. Diese systematisch von „Rechts“ gesteuerte Sozialisation sorgt dafür, dass sich womöglich bereits die Kontaktaufnahme zwischen Fachkräften und Klientel konfliktbehaftet gestaltet.
Die Konsequenzen des Medienkonsumverhaltens sind für die Fachkräfte der aufsuchenden Jugendsozialarbeit deutlich spürbar: Jugendliche sind schwerer erreichbar, Beziehungsarbeit ist herausfordernder geworden, und gleichzeitig werden pädagogische Interventionen zunehmend als „links“ geframed und diskreditiert.

Sozialpädagogische Fanprojekte haben den Abbau extremistischer Positionierungen in ihrem Arbeitsauftrag fest verankert, doch ihre Wirksamkeit hängt maßgeblich davon ab, inwieweit tragfähige Beziehungen zu den Jugendlichen aufgebaut werden können.
Für die sozialpädagogische Fanarbeit stellen sich daher folgende Fragen:
> Wie kann Beziehungsarbeit unter diesen neuen Bedingungen erfolgreich gestaltet werden?
> Welche pädagogischen Konzepte sind notwendig, um Jugendliche sowohl online als auch offline mit dem Ziel zu erreichen, Bindungskontinuität sowie Bindungsqualität zu erhöhen?
> Und welche politischen Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, um diese Arbeit zu stärken?


In Zeiten digitaler Radikalisierung kommt der direkten Beziehungsarbeit eine noch größere Bedeutung zu. Die LAG Fanprojekte NRW sowie die angeschlossenen Standorte sind durch ihre enge Anbindung an Fußball(fan)kulturen und sozialpädagogische Konzepte bestens positioniert, um die Herausforderung zwischen extremistischen Einflussnahmen und gelingender Beziehungsarbeit zu thematisieren und innovative Lösungsansätze zu entwickeln. Durch die enge Vernetzung mit anderen Akteur*innen der Jugendsozialarbeit in NRW kann die LAG Fanprojekte NRW zudem einen nachhaltigen Wissenstransfer in verschiedene gesellschaftlich relevante Bereiche gewährleisten.